Sind Gastronomiebetriebe überhaupt finanzierbar?

Tipps

Entgegen allen Unkenrufen sind Gastronomiebetriebe sehr wohl finanzierbar. Allerdings ist eine gründliche Investitionsplanung – gedeckt durch ausreichendes Eigenkapital – Grundvoraussetzung. Wer hingegen glaubt, mit ein paar hundert Euro, ein bisschen Rückenwind und gutem Willen am Markt bestehen zu können, der ist definitiv auf dem Holzweg. Wie gesagt: Nur weil jeder ein Restaurant, eine Bar oder Diskothek eröffnen kann, ist noch längst nicht jeder auch dafür geeignet.

Ohne Eigenkapital läuft nichts!

Wenn Ihr Umfeld mit einem gewissen Naserümpfen auf Ihre Vision eines eigenen gastronomischen Betriebes reagiert, dann liegt das vor allem an der hohen Zahl der jährlichen Pleiten. Misserfolge sprechen sich in der Regel schneller und nachhaltiger herum als Erfolge. Neben einem mangelnden Know-how ist in den meisten Fällen das dünne bis sehr dünne Finanzpolster der Gründer/innen dafür verantwortlich, wenn das Geschäft schlecht läuft oder gar pleite geht. Allzu oft geben sich angehende Gastronomen der naiven Hoffnung hin, dass alles schon irgendwie klappen wird und die Einnahmen bereits in der Startphase die Kosten decken werden.

Fakt ist, dass Sie ohne Eigenkapital einpacken können beziehungsweise gar nicht erst auspacken brauchen. Denn selbst für staatliche Förderprogramme oder private Finanzierungen bei der Bank benötigen Sie neben einem präzisen Business- plan und einem überzeugenden Konzept in jedem Fall etwas zwischen Daumen und Zeigefinger. (Beachten Sie übrigens, dass Fördermittel VOR der Gründung beantragt werden müssen!) Gerade weil so viele Gastro-Betriebe das erste Geschäftsjahr nicht überleben, haben Geldgeber kaum noch Vertrauen in diese Branche – von der Finanzkrise einmal ganz abgesehen. Schminken Sie sich also ab, dass alle nur auf Sie und Ihre geniale Idee gewartet haben und Ihnen das Geld quasi in den Rachen werfen.

Eine Finanzierung ist hart verdientes Geld

Da kaum jemand sein Geschäft aus dem Stand allein finanzieren kann, ist hier eine fundierte Vorbereitung notwendig. Denn aussagekräftige Unterlagen und Bilanzen können Geldgeber durchaus überzeugen. Doch nicht nur das. Sie selbst sollten ganz genau im Blick haben, was konkret auf Sie zukommt, wie viel Geld Sie für Ihren Start, die Anlaufphase und laufende Kosten benötigen. Natürlich können Sie im Vorfeld nicht alles auf die letzte Kommastelle berechnen. Allerdings sollten Sie auch bei den Schätzungen so präzise wie möglich vorgehen. Kostenvoranschläge, ein Termin bei der für Sie zuständigen IHK oder aber der Austausch mit anderen Gastwirten werden Ihnen weiterhelfen.

Vergessen Sie nicht die Reserve!

Selbstverständlich können sich Ihre jetzigen Schätzungen in einem Jahr als nicht ganz richtig erweisen. Das ist aber grundsätzlich nicht verwerflich. Grob fahrlässig handeln Sie nur, wenn Sie Ihren Finanzierungsplan jetzt brav erarbeiten und dann vergessen.

Wie auf hoher See werden Sie Ihr Ziel nicht erreichen, wenn Sie nicht ab und zu Ihren Kurs korrigieren. Planen Sie in jedem Fall einen ausreichenden Puffer ein, damit Ihnen nicht bereits nach drei Monaten das Wasser bis zum Hals steht. Mit einer finanziellen Reserve von 10 bis 30 Prozent des Kapitalbedarfs sind Sie auf der sicheren Seite. So können Sie auch Verzögerungen und mögliche Schwierigkeiten in der Anlaufphase überbrücken und damit einhergehende Kosten abdecken.

finanzierung

MEIN TIPP: Welche Form und Höhe der Finanzierung in Ihrem konkreten Fall sinnvoll ist, besprechen Sie im Detail am besten mit einem Fachmann oder zumindest mit Ihrem Steuerberater. Informieren Sie sich über staatliche Förderprogramme, mögliche Gewerbekredite oder Beteiligungen. Und holen Sie sich bitte immer die zweite Meinung eines Experten ein, bevor Sie einen Vertrag unterzeichnen! Die folgende Checkliste gibt Ihnen einen fundierten Überblick, was eine substanzielle Finanzierung umfassen sollte.

Wie gesagt: Natürlich können Sie nicht alles im Vorfeld präzise berechnen und mit einem Blick in die Glaskugel haargenau die Kosten für die Zukunft bestimmen. Bei Ihren Schätzungen sollten Sie sich allerdings an realen Vergleichszahlen Ihrer Branche orientieren. Nutzen Sie dazu beispielsweise die umfassenden Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) und lesen Sie Kapitel 2 und 7.

Die folgende Checkliste gibt Ihnen einen Überblick, woran Sie in jedem Fall denken sollten.

CHECKLISTE: Finanzierung

  • Wie hoch sind Ihre monatlichen/jährlichen Lebenshaltungskosten?
  • Wie hoch ist Ihre Reserve für Unvorhergesehenes (Krankheit, Unfall)?
  • Wie hoch ist Ihr Gesamtkapitalbedarf (Startkosten + Anlaufphase + Reserve)
  • Haben Sie Kostenvoranschläge (Brauerei, Innenausbau, Inventar)?
  • Wie hoch ist Ihr Eigenkapital?
  • Wie hoch muss das Fremdkapital sein?
  • Welche Förderprogramme könnten Sie nutzen?
  • Wie hoch schätzen Sie die monatlichen Kosten (Material, Personal, Miete)?
  • Wie hoch schätzen Sie die Investitionskosten (auf 12 Monate verteilt)?
  • Wie hoch schätzen Sie die monatlichen Belastungen für etwaige Kredite?
  • Wie hoch ist Ihre monatliche Liquiditätsreserve?
  • Wie hoch schätzen Sie den Umsatz (drei Jahre)?
  • Wie hoch schätzen Sie die Kosten (drei Jahre)?
  • Wie hoch schätzen Sie den Gewinn (drei Jahre)?

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